Private Equity und Venture Capital – Wer steckt hinter PE- und VC-Investitionen?
PE & VC Legal | Basics – Teil 2
06. Juli 2026
Private Equity und Venture Capital – Wer steckt hinter PE- und VC-Investitionen?PE & VC Legal | Basics – Teil 206. Juli 2026 Nachdem wir in Teil 1 die grundlegenden Unterschiede zwischen Private Equity und Venture Capital dargestellt haben, widmen wir uns nun der Frage: Wer steckt hinter den Investitionen? Wer investiert in Private-Equity- und Venture-Capital-Fonds?In Deutschland stammt ein erheblicher Teil der Mittel für Beteiligungskapitalinvestitionen aus dem öffentlichen Sektor. Das gilt insbesondere im Venture-Capital-Bereich, wo öffentliche Institutionen wie die KfW über KfW Capital und das ERP-Sondervermögen gezielt in Fondsstrukturen investieren und so eine tragende Rolle bei der Mobilisierung von Wagniskapital spielen. Im Buyout-Segment dominieren dagegen klassische und private institutionelle Investoren: Versicherungen, Pensionskassen, Family Offices, Stiftungen und Unternehmen zählen hier zu den zentralen Kapitalgebern. International treten zusätzlich Universitätsstiftungen und Staatsfonds als besonders bedeutende Investoren in Erscheinung. Die Investoren stellen ihr Kapital nicht unmittelbar den Zielunternehmen zur Verfügung, sondern investieren mittelbar über Private-Equity-Fonds, die dieses Kapital bündeln und gezielt einsetzen. Daneben gibt es im Venture-Capital-Bereich auch öffentlich finanzierte Fondsvehikel wie den High-Tech Gründerfonds, die selbst als Fonds strukturiert sind, aber direkt in Start-ups investieren. Die meisten dieser Anlagefonds sind als private Partnerschaften strukturiert, auch wenn die übergeordneten Managementgesellschaften vereinzelt börsennotiert sind – etwa die Deutsche Beteiligungs AG in Deutschland oder international bekannte Häuser wie Blackstone oder Apollo. Wie sind Private-Equity-Fonds strukturiert?Strukturell ist zwischen dem Fonds selbst und dessen Management zu unterscheiden. Die Investoren stellen als sogenannte Limited Partner Kapital bereit, während die Managementgesellschaft als General Partner die Investitionsentscheidungen trifft, Transaktionen strukturiert und die Beteiligungen aktiv begleitet. Die Vergütung der Manager erfolgt in der Regel zweigeteilt: über eine laufende Management Fee sowie über eine erfolgsabhängige Gewinnbeteiligung, den sogenannten Carried Interest. Dieses Modell sorgt dafür, dass die Interessen von Investoren und Fondsmanagement eng miteinander verzahnt sind. Zugleich verfolgen Fonds meist klar definierte Investitionsstrategien, die sich häufig an bestimmten Branchen, Regionen oder Unternehmensphasen orientieren und eng mit der jeweiligen Expertise des Managements zusammenhängen. Ergänzend haben sich sogenannte Fund-of-Funds-Strukturen etabliert, die wiederum in mehrere spezialisierte Fonds investieren und so eine zusätzliche Diversifikationsebene schaffen. Welche Rolle spielt Fremdkapital im Private Equity?Neben dem Eigenkapital spielt Fremdkapital eine wesentliche Rolle im Private-Equity-Sektor. Größere Transaktionen werden typischerweise als sogenannte Leveraged Buyouts (LBOs) durch eine Kombination aus Eigen- und Fremdkapital finanziert, wobei neben klassischen Bankkrediten (Senior Debt) häufig auch Kapitalmarktinstrumente wie Hochzinsanleihen (High-Yield Bonds) oder Mezzanine-Kapital zum Einsatz kommen. Die Einbindung von Fremdkapital ist ein zentraler Bestandteil solcher Transaktionen und dient primär dazu, über den sogenannten Leverage-Effekt die Eigenkapitalrendite der Investoren zu hebeln. Der Leverage-Effekt wird in dieser Reihe noch eingehend behandelt. Wer ist im Venture-Capital-Ökosystem beteiligt?Im Venture-Capital-Bereich stehen zunächst die Gründer im Mittelpunkt. Insbesondere in frühen Phasen basiert die Investitionsentscheidung häufig weniger auf belastbaren Kennzahlen als auf der Qualität des Teams und dem Skalierungspotenzial der Geschäftsidee. Gründer halten zu Beginn regelmäßig sämtliche Anteile an ihrem Unternehmen, werden jedoch im Laufe aufeinanderfolgender Finanzierungsrunden zunehmend verwässert. Diese Verwässerung wird in der Praxis in Kauf genommen, da Eigenkapitalinvestoren häufig die einzige realistische Finanzierungsquelle darstellen. Gleichzeitig haben Investoren ein erhebliches Interesse daran, dass Gründer weiterhin substanziell beteiligt bleiben, um deren langfristige Motivation sicherzustellen. Neben der reinen Finanzierung bringen Venture-Capital-Investoren regelmäßig auch strategischen Mehrwert ein. Dazu zählen unternehmerische Erfahrung, Branchen- und Technologieexpertise sowie der Zugang zu Netzwerken und potenziellen Kunden oder Folgeinvestoren. Gerade in Wachstumsphasen kann dieser Beitrag entscheidend für die Entwicklung eines Start-ups sein. Venture-Capital-Fonds sind dabei strukturell ähnlich wie Private-Equity-Fonds organisiert, also als geschlossene Fondsstrukturen mit Limited Partnern auf Investorenseite und einem General Partner als Managementeinheit. Welche Akteure gibt es noch im Bereich VC?Neben klassischen Venture-Capital-Fonds ist das Ökosystem deutlich breiter aufgestellt. Wie eingangs dargestellt, spielt die öffentliche Hand insbesondere in Deutschland eine wichtige Rolle bei der Mobilisierung von Wagniskapital. Neben den bereits genannten bundesweiten Institutionen engagieren sich auch Landesförderbanken und regionale Beteiligungsgesellschaften – etwa die NRW.BANK, BayernKapital oder die Mittelständischen Beteiligungsgesellschaften der Länder – gezielt in Fondsstrukturen oder als Direktinvestoren, um Finanzierungslücken insbesondere in frühen Phasen zu schließen. Auch Business Angels sind zentrale Akteure. Dabei handelt es sich meist um vermögende Einzelpersonen, häufig mit eigener Gründungserfahrung, die sehr früh investieren und neben Kapital auch Know-how und Netzwerke einbringen. Um den administrativen Aufwand gering zu halten, erfolgen solche Investments häufig über wandelbare Darlehen, die später in Eigenkapital umgewandelt werden. Zunehmend treten zudem etablierte Unternehmen als Investoren auf, entweder direkt oder über eigene Corporate-Venture-Capital-Einheiten. Anders als klassische Finanzinvestoren verfolgen sie dabei häufig nicht nur finanzielle, sondern auch strategische Ziele, etwa den Zugang zu Innovationen, die technologische Weiterentwicklung oder die Vorbereitung möglicher Kooperationen oder Transaktionen. Ergänzend gibt es Accelerator-Programme und Inkubatoren, in denen Start-ups über einen bestimmten Zeitraum strukturiert begleitet und gefördert werden. Für Unternehmen bietet dies die Möglichkeit, frühzeitig mit neuen Ideen und Technologien in Kontakt zu kommen und diese in die eigene Innovationsstrategie zu integrieren. Im nächsten Beitrag unserer Reihe PE & VC Legal | Basics geben wir einen Überblick über den deutschen Private-Equity- und Venture-Capital-Markt – von seiner Entwicklung über die wichtigsten Investitionsstandorte bis hin zu den aktuellen Markttrends. Publikationen
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