Der deutsche Markt im Überblick: Entwicklung von Private Equity und Venture Capital in Deutschland
PE & VC Legal | Basics – Teil 3
16. Juli 2026
Der deutsche Markt im Überblick: Entwicklung von Private Equity und Venture Capital in DeutschlandPE & VC Legal | Basics – Teil 316. Juli 2026 Nachdem wir in Teil 2 geklärt haben, wer hinter Private-Equity- und Venture-Capital-Investitionen steht, blicken wir in Teil 3 auf den deutschen Markt selbst: Wie hat er sich entwickelt, wo liegen seine Zentren, und wie stellt er sich heute dar? Seit wann gibt es Private Equity und Venture Capital in Deutschland?Die Entwicklung von Private Equity und Venture Capital in Deutschland setzte deutlich später ein als in den USA und verlief lange zurückhaltend. Erste beteiligungsorientierte Finanzierungen entstanden bereits in den 1960er-Jahren, entsprachen jedoch eher dem heutigen Private-Equity-Verständnis als klassischen Frühphasenfinanzierungen; Letztere spielten zunächst kaum eine Rolle. In den 1970er-Jahren versuchte der Staat, Venture Capital als eigenständige Finanzierungsform zu etablieren. Ein nachhaltiger Durchbruch blieb jedoch aus – vor allem wegen geringer Risikobereitschaft, eines schwach entwickelten Exit-Marktes und fehlender privater Kapitalgeber. Erst in den 1990er-Jahren gewann Venture Capital im Zuge der New-Economy-Phase an Bedeutung. Der steigende Kapitalbedarf junger Technologieunternehmen machte Frühphaseninvestitionen zu einem relevanten Marktsegment. Das Platzen der Dotcom-Blase im Jahr 2000 – also der Zusammenbruch vieler stark überbewerteter Internet- und Technologieunternehmen – beendete diese Entwicklung abrupt und führte zu einem nachhaltigen Vertrauensverlust. Während sich Venture Capital nur langsam erholte, erlebte Private Equity in Deutschland zwischen 2003 und 2007 eine ausgeprägte Wachstumsphase. Diese wurde maßgeblich durch internationale Investoren sowie die Dynamik der US- und UK-Märkte getragen; deutsche institutionelle Anleger spielten lange eine Nebenrolle. Nach dem erneuten Einbruch infolge der Finanzkrise 2008/2009 setzte eine schrittweise Stabilisierung ein. Seit den 2010er-Jahren wuchs insbesondere der Venture-Capital-Markt kontinuierlich – getragen von professionelleren Fondsstrukturen, steigenden Investitionsvolumina und zunehmender Internationalisierung. Diese Entwicklung mündete 2021 in ein bis heute unerreichtes Rekordjahr, in dem deutsche Beteiligungsgesellschaften rund 15,4 Mrd. Euro investierten. Mit der Zinswende, steigender Inflation und wachsenden geopolitischen Unsicherheiten kühlte sich der Markt danach spürbar ab: 2022 sanken die Investitionen um etwa 29 Prozent, 2023 fielen sie mit rund 10,5 Mrd. Euro auf den niedrigsten Stand seit 2016 – nahezu eine Halbierung gegenüber dem Boomjahr 2021. Seit 2024 zeichnet sich jedoch eine spürbare Erholung ab, die im folgenden Abschnitt näher beleuchtet wird. Kurz gefasst: Der deutsche PE/VC-Markt hat drei prägende Phasen durchlaufen – späten, verhaltenen Beginn bis in die 1990er-Jahre, eine Wachstumsphase ab den 2000er-Jahren mit Rückschlägen durch Dotcom-Blase und Finanzkrise, und ein bis heute wirkendes Auf und Ab zwischen dem Rekordjahr 2021 und der Abkühlung 2022/2023. Wo liegen die regionalen Schwerpunkte des deutschen PE- und VC-Marktes?Der deutsche Markt für Private Equity und Venture Capital ist geografisch stark konzentriert. Drei Standorte haben sich als besonders prägend herausgebildet, wobei jeder Standort über ein eigenes Profil verfügt. BerlinBerlin gilt heute als zentraler Venture-Capital-Standort Deutschlands. Die Stadt zeichnet sich durch eine hohe Gründungsaktivität, international zusammengesetzte Gründerteams und eine starke Dichte von Frühphasen- und Wachstumsinvestoren aus. Inhaltlich liegt der Fokus vor allem auf digitalen, skalierbaren Geschäftsmodellen – insbesondere in Bereichen wie SaaS und KI, E-Commerce, Gaming und Medien, FinTech, HealthTech, Climate Tech und Mobility. MünchenMünchen profitiert besonders von seinem starken Fokus auf DeepTech und HealthTech. Gleichzeitig sorgt die enge Verzahnung von Forschung und Wirtschaft sowie ein Netzwerk finanzstarker Business Angels dafür, dass neue Technologien schnell in marktfähige Unternehmen überführt werden. Ein wesentlicher Treiber ist die Technische Universität München (TUM): Sie hat sich als einer der wichtigsten Ausgangspunkte für Spin-offs in Europa etabliert und ein entsprechend starkes Entrepreneurship-Ökosystem aufgebaut. München hat sich zugleich als bedeutender Standort für Private Equity etabliert – nicht zuletzt aufgrund seiner starken Industrie- und Mittelstandsstruktur – und zunehmend auch als Zentrum eines neuen Investitionstrends, der im letzten Abschnitt dieses Beitrags aufgegriffen wird. Frankfurt am MainFrankfurt am Main ist weniger durch eine ausgeprägte Start-up-Szene geprägt, nimmt jedoch eine zentrale Rolle im Bereich Private Equity und Growth Capital ein. Die Nähe zu Banken, Fondsmanagern, institutionellen Investoren sowie rechtlichen und finanziellen Beratern macht den Standort insbesondere für Buy-out-Transaktionen, strukturierte Finanzierungen und komplexe Beteiligungsmodelle relevant. Die hohe Konzentration internationaler Investoren macht Frankfurt gerade für umfangreiche und grenzüberschreitende Deals attraktiv. Kurz gefasst: Berlin ist das VC-Zentrum für digitale Geschäftsmodelle, München verbindet DeepTech/HealthTech mit einer starken PE-Basis, und Frankfurt bleibt als Finanzplatz die erste Adresse für Buy-outs und grenzüberschreitende Transaktionen. Wie groß ist der deutsche Markt heute und wie entwickelt er sich?Der deutsche Markt zählt weiterhin zu den größten und kapitalstärksten in Europa. Nach der Abkühlungsphase 2022/2023 zeigt sich seit 2024 eine klare Erholung: Deutsche Beteiligungsgesellschaften investierten 2024 mit rund 3,4 Mrd. Euro im Venture-Capital-Segment gut ein Viertel mehr als im Vorjahr – die erste Trendumkehr nach zwei rückläufigen Jahren. Auf europäischer Ebene stieg das gesamte Private-Equity-Transaktionsvolumen 2025 um 28 Prozent auf 457,6 Mrd. Euro, getragen vor allem durch Megadeals oberhalb der Milliardenschwelle, während der Mittelstandssegment noch verhalten blieb. Auch beim deutschen M&A-Markt mit ausländischer Beteiligung war 2025 ein deutlicher Anstieg zu verzeichnen, unter anderem begünstigt durch Zinssenkungen der EZB und eine geringere politische Unsicherheit nach der Bundestagswahl. Gleichzeitig bleibt die Erholung fragil: Die durchschnittlichen Haltedauern von Beteiligungen sind gestiegen, die Rückflüsse an Investoren liegen weiterhin auf dem niedrigsten Niveau seit der Finanzkrise 2008/09, und Deutschland liegt im internationalen Vergleich – insbesondere beim Risikokapital – weiterhin hinter führenden Märkten wie den USA zurück. Welche aktuellen Entwicklungen prägen den Markt zusätzlich?Ein Trend, der den deutschen VC-Markt seit der "Zeitenwende" 2022 zunehmend prägt, ist die wachsende Bereitschaft von Investoren, in Verteidigungs- und Sicherheitstechnologie ("DefenseTech") zu investieren – ein Bereich, der lange als Tabuthema für Venture Capital galt. 2025 flossen rund 1,25 Mrd. Euro Venture Capital in deutsche DefenseTech-Start-ups; europaweit haben sich die Investitionen in diesem Segment von 2024 auf 2025 auf rund 2,3 Mrd. US-Dollar verdoppelt. München hat sich dabei als Epizentrum dieser Entwicklung etabliert: Das dort ansässige Unternehmen Helsing zählt mittlerweile zu den wertvollsten europäischen Start-ups überhaupt, auch Quantum Systems und weitere Anbieter autonomer Systeme haben zuletzt große Finanzierungsrunden abgeschlossen. Zugleich bleibt die Finanzierung dieser Wachstumsphasen häufig von angelsächsischem Kapital abhängig, was in Deutschland eine Debatte über strategische Abhängigkeiten und den Aufbau einer eigenständigen europäischen Investitionslandschaft ausgelöst hat. Kurz gefasst: Die Erholung des deutschen PE/VC-Marktes seit 2024 ist real, aber ungleich verteilt – getragen von Megadeals und einem neuen, geopolitisch getriebenen Wachstumssegment rund um DefenseTech, während der Mittelstandsbereich und die Rückflüsse an Investoren noch hinter früheren Rekordwerten zurückbleiben. AusblickDer deutsche PE/VC-Markt hat in den vergangenen Jahren gezeigt, wie eng seine Entwicklung mit gesamtwirtschaftlichen und geopolitischen Rahmenbedingungen verknüpft ist – vom Zinsumfeld bis hin zu sicherheitspolitischen Zäsuren wie der Zeitenwende. Im nächsten Beitrag unserer Reihe PE & VC Legal | Basics richten wir den Blick von der Marktentwicklung auf die rechtlichen Besonderheiten von Private-Equity-Transaktionen – von Akquisitionsstrukturen und Leveraged Buy-outs über Debt Push-downs bis hin zu W&I-Versicherungen und Management-Beteiligungen. Publikationen
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